Heuchelei zu Weihnachten

Jetzt fängt sie wieder an, die gute schöne Weihnachtszeit. Die Zeit, an der geheuchelt wird ohne Ende, aber während des ganzen Jahres interessiert es kaum einen, wie es seinem Mitmenschen geht.

Am meisten fällt es mir gerade auf Facebook auf. Ich folge der Gruppe „Weihnachten für Obdachlose von Frank Zander“ da ich zu gerne selbst einmal dort helfen würde, aber ich nie einen Platz ergattere und in den letzten Jahren hätte ich mir die Fahrt nach Berlin gar nicht leisten können (eine Unterkunft findet man immer, denke, da kann man auch bei nem Kellner-Kollegen auf der Couch pennen).

Ich frage mich dann immer, wieviele dieser Menschen, die diese Aktion toll finden und Herrn Zander, der meinen größten Respekt zollt, verbal unterstützen, dies auch während des Jahres tun. Wieviele dieser Menschen nicht doch naserümpfend an einem Menschen vorbeigehen, der in der Fußgängerzone an der Seite sitzt und um Geld bettelt. Warum er das macht, ist dahingestellt (ich lasse organisierte Banden mal raus aus diesem Post), aber wer da sitzt, hat es meist nicht einfach im Leben und sicherlich auch einiges erlebt. Viele Menschen kümmern sich aber nur im Winter bzw zur Adventszeit darum, im Sommer laufen sie achtlos vorbei, dabei brauchen diese Menschen auch im Sommer etwas zum Essen und zu Trinken, manchmal auch nur ein warmes Lächeln.

Ich persönlich hatte zwar immer ein Dach über dem Kopf, aber habe ebenfalls schlechte Zeiten hinter mir. Das waren die Zeiten, als ich leider niemandem etwas geben konnte, aber ein Lächeln gab es immer. Ein nettes Hallo, eine kurze Ansprache, ein „in die Augen sehen“.

An Weihnachten, nach dem Weihnachtsbummel (Geschenke gibt’s ja keine mehr), erleichtere ich meine Geldbörse vom Kleingeld. Alles, was nicht Silber ist und das ist an solchen Tagen oft mehr wie genug bekommt eine einzige Person meiner Wahl in seinen leeren Kaffeebecher oder ein Zirkus für seine Tiere. Dieses Ritual habe ich bereits seit über 20 Jahren und ich freu mich immer wie ein kleines Kind, wenn ich das mache.

Das geht natürlich nicht immer, aber in der restlichen Jahreszeit hab ich auch schon mal nen Kaffee gekauft, gebe grundsätzlich meine McDonalds-Monopoly-Gutscheine ab und habe auch da schon gehört, das Obdachlose nicht gerne im MC zu sehen sind und halte auch mal ein nettes Schwätzchen. Ein freundliches Grüßen reicht manchmal schon aus und mit der Zeit weiß man ja, wer dies möchte und wer lieber seine Ruhe haben will.

Es gibt einen Mann in Wiesbaden, den beobachte ich seit Jahren. Früher hat er im Sommer immer an der Parkbank, abgelegen vom Innenstadttrubel, meiner alten Firma gestanden und daher hab ich dann „ein Auge auf ihn geworfen“ ! wenn ich ihn lange nicht mehr gesehen habe, dann mache ich mir schon Gedanken und freu mich immer, wenn ich ihn sehe. Rein aus Reflex grüße ich dann, obwohl wir uns ja so nicht kennen, aber ich kenne ihn, er mich wahrscheinlich nicht.

Aber wieviele Menschen gibt es, die nun anfangen zu heucheln, die sich gegenseitig Weihnachtsgeschenke machen, nur um gut dar zustehen, deren Leben nur aus Eigen-PR besteht? Aber in wirklichkeit denken sie: „Seht mal wie toll ich bin, ich like eine schöne Aktion, aber unter uns gesagt, ich würde nie mit einem Obdachenlosen reden oder ihm etwas Gutes tun“

Mich ärgert das. Mich ärgert das immens. Warum kann man nicht einfach ruhig sein, wenn man es nicht ehrlich meint.

Natürlich sind nicht alle Menschen so, aber bei einigen ist es sehr offensichtlich, dass sie nur zu Weihnachten lieb und nett und freundlich sind

Was haltet ihr von dieser Heuchelei?

5 Gedanken zu “Heuchelei zu Weihnachten

  1. Sehr toller Beitrag. Bei mir ist es eigentlich so, dass ich 2 bis 3 mal im jahr Klamotten zur Kirche bringe und ebenso oft etwas für unser örtliches Tierheim gebe. Am Wochenende war ich zu einem Weihnachtsbasar im Altenheim und wollte auch was spenden. Die ältere Dame hat mich sparsam angeschaut, als ich ihr Geld ohne Gegenleistung geben wollte. Schien wohl nicht so oft vorzukommen. Ehrlich gesagt, ist es mir dabei egal, welches fest gerade ist. Wenn ich mein ich will was geben, mache ich es auch. LG britti ♡

    Liken

  2. Als erstes ! RESPEKT ! Ein toller Beitrag.
    Man sollte das ganze Jagr über Bedürfte helfen. Es müssen nicht hunderte Euro sein. Ich gebe bei der Tafel immer Kleidung ab, natürlich nur tragbare, für ein paar Zeichenblöcke und Buntstifte hab ich immer ein paar Euro übrig

    Gefällt 1 Person

    • Danke schön! das ist mehr lob, als ich erwartet hätte.
      Ja ich denke auch, ein bisschen kann man immer abgeben, und nein, Deutschland geht’s nicht gut. Gerade in Wiesbaden ist die Kluft zwischen Arm und Reich sehr groß, laut Statistik sogar am Größten und das kann sein, wenn ich sehe, welche Preise da im Schaufenster liegen, vor dem obdachlose Menschen gerade sitzen

      Gefällt 1 Person

      • Oft frag ich auch bei Krankenkassen und Versicherungen nach, ob sie etwas haben.Die haben oft stifte, lineale , mmalbücher oder ähnliches

        Gefällt 1 Person

      • ja die verschenken auch viel, aber ich denke, bei der Tafel wird sowieso schon viel abgegeben. bin ja selbst Mitglied der Tafel Wiesbaden. dort gehen nur selten Obdachlose hin. Diese Menschen leben ganz alleine und da hilft oft schon ein nettes Hallo oder mal dem Hund etwas Gutes zu tun

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s