Bei’m Elsje in Hattenheim

… da ist uns was passiert.

Uns, das sind mein Trainee und ich. Wir hatten schon lange vorgehabt, einmal Essen zu gehen und ihm wurde „Bei’m Elsje“ in Eltville-Hattenheim im schönen Rheingau empfohlen.

Da wir uns jedoch Letztens fürchterlich in den Haaren hatten, rief er dort an und hat einen schönen Tisch für 2 bestellt, der auch nett zurecht gemacht sein sollte.

In den Rezensionen hatte ich nur Gutes gelesen, fast nur 5 Sterne und alle haben geschwärmt.

  • „Zwar Rustikal aber gemütlich“ hiess es da.
  • „Qualität vom Essen meistens sehr gut. „
  • „Urige Weinkneipe, solides Essen“ Urig war da gar nichts, eher ein großer Raum mit langen Tischen, nix Uriges dabei.
  • „Die Räumlichkeiten würde ich eher als Rustikal bezeichnen. Nicht schön, aber auch nicht hässlich.“ (der hat übrigens 4,5 Sterne verteilt ) ich würde eher sagen schlicht und ungemütlich
  • „Die Atmosphäre wurde sehr bestimmt von der Wirtin , die zu den Tischen ging und mit den Gästen sehr nett plauderte “ das stimmt, aber schön wäre es gewesen, sich vorzustellen, eine Angestellte konnte sie ja nicht sein, sie hat ja nix gearbeitet, konnte das durch die Durchreiche ja bestens sehen, dass sie geplaudert hat

Ich war wirklich sehr neugierig und daher fuhren wir am gestrigen Freitagabend in den Rheingau.  Von mir dorthin ist es ein Katzensprung und im weitesten Sinne gehören wir fast noch zum Rheingau dazu.

Es sollte ein schöner Abend werden, aber dank nachfolgender Geschichte hab ich mich sehr unwohl gefühlt.

Was hatte ich mich auf diesen Abend gefreut. Ich mag meinen Trainee, er ist mir ans Herz gewachsen und ein guter Freund, wir telefonieren mehrmals die Woche und als wir uns gestritten hatten war ich ziemlich traurig. Umso mehr freute ich mich auf einen gemeinsamen netten Abend im Rheingau.

Aber nett fand ich nur meine Begleitung, der Rest war komisch.

Fangen wir von vorne an:

Wir kommen im Gasthaus an, und irgendjemand, den ich nicht kannte, zeigte wortlos auf einen Tisch in der hintersten versteckten Ecke. Gut, sie wusste, die zwei Fremden mussten die zwei für den 2-Tisch sein, wir konnten aber nicht wissen, wer sie ist. Eine nette Begrüßung wäre da schon angebracht gewesen.

Wir sassen da in dieser versteckten Ecke, ich mit dem Rücken zum Rest, was ich immer sehr ungemütlich finde und gar nicht mag. Der Tisch stand  direkt an der Durchreiche Schankraum zur Küche , die Durchreiche wurde zwar nicht als solche genutzt , aber ich dem Personal die ganze Zeit zuhören und -sehen konnte und ich kam  mir sehr beobachtet vor.  Gemütlich ist was anderes. ärgerlich, da alles anderen Tische in unmittelbarer Nähe frei waren, da hätte man uns auch diese Plätze anbieten können. Dieser Platz erinnert mich dann daran, dass Singles im Hotel immer das Zimmer am Aufzug bekommen

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Ich suchte als erstes die Toilette und fragte höflich nach, wo diese denn seien „over de hop de blaue dür“ .. wie bitte, was? das war weder rheingauerisch, noch Hessisch vor allem nicht hochdeutsch. OK, das war definitiv belgisch oder niederländisch.

Zurück zum Platz, kamen die wirklich sehr netten Bedienungen und nahmen Essen und Trinken auf. Ich hatte mir ein Rumpsteak bestellt, da konnte der Koch nicht viel falsch machen, Herr Trainee eine Gänsekeule mit Kartoffelklössen und Rotkohl.

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ich weiß nicht, was ausser einem gutem Steak und Zwiebeln noch auf dem Teller war, aber das war das schärfste Rumpsteak, das ich je gegessen habe. und auch das Dickste. So darf doch ein Rumpsteak nicht aussehen

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Essen hat ja auch etwas mit Ästhetik zu tun.

Aber das war noch nicht alles. Es geht weiter. Mir fiel nämlich ein, dass ich eine belgische Kollegin von mir letztens zu Besuch in Deutschland war und währenddessen abends eine Freundin in Hattenheim besuchte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Elsje war, war ja nun mal groß, aber als ich sie fragte, hat sie gar nicht reagiert, sondern nur mit großen Augen angeschaut. Ihr Deutsch war recht gut, sie hätte mich verstehen müssen, aber gar nicht zu regieren.

Die Besitzerin, das Elsje, kam nun zwar zum Smalltalk und zum Kassieren vorbei, aber arbeiten mussten die Angestellten. Elsje ist wohl nur für die PR verantwortlich, kein guter Wirt macht das, ein guter Wirt arbeitet am meisten und die Angestellten unterstützen. Ganz schlecht, sie hat sich gar nicht dafür interessiert, wer sie da zum Ersten Mal besucht, Guten Abend, schön, dass sie/du da bist, sie sind ja zum ersten Mal hier ..blablabla .. sowas erwarte ich, wenn ich schon smalltalk mit dem Chef machen muss.

Ich sass da also auf meinem ungemütlichen Platz, aß mein verpfeffertes Rumpsteak und probierte auch mal die Kartoffelklöße vom Herrn Trainee. Naja, da fehlte es etwas an Geschmack, selbstgemachte Klöße schmecken sehr viel intensiver. Dem Herrn Trainee hats geschmeckt, aber auch er hatte mehr erwartet und war ein bissl enttäuscht.

Wir beendeten den Abend schneller als wir geplant hatten, da wir es beide einfach ungemütlich fanden. Jetzt kommt das eigentlich Kuriose des Abends

Die Rechnung lautete 37,90€. Sie wurde uns übrigens direkt mit dem Essen auf den Tisch gelegt, zwar umgedreht, aber da lag der Zettel, direkt neben mir, ich hätte ihn beinah vom Tisch geschubst.

Herr Trainee gibt nen 50€-Schein, und sagt: „43“

Sie, also das Elsje, weil die Bedingungen dürfen ja nur arbeiten: „Hast du 1€?“

(ich denke: äh was will sie denn mit einem Euro, das passt doch gar nicht)

Herr Trainee: „nein“

Sie gibt ihm 10€ zurück (ich denke: 50-43=7 –  sie gibt ihm ganze 3€ zuviel raus)

und sie dann nochmal: „Hast du 1€ als spende für meine Leute“.

Ich geb ihr den Euro, aber verstanden haben wir gar nichts. Es hat vorne und hinten nix gepasst und wenn sie kein Kleingeld hat, damit sie passend rausgeben kann, dann ist es doch ihre Schuld, Herr Trainee war ja wirklich großzügig und wollte 5€ Trinkgeld geben, sie hat ja den 10er freiwillig rausgegeben und vor Allem hatte sie  Trinkgeld bekommen.

Wir haben vor der Tür noch drüber geredet, was sie denn von uns wollte, indem sie um den Euro bat, und dann auch noch nach Trinkgeld zu bitten, finde ich sehr unverschämt, wenn sie sich so viele Bedienungen leisten kann, ohne selbst tatkräftig mit anzupacken, muss sie doch nicht noch um Trinkgeld „betteln“

Ein fragwürdiger Abend, der uns sicherlich immer im Gedächtnis bleiben wird, aber hingehen werden wir nicht mehr, wenn ich in den Rheingau gehe, dann will ich auch in ein gemütliches Lokal gehen, nicht in einen großen Raum mit Tischen und Stühlen mit Kisschen drauf. Na und über die Weihnachtsdekoration hab ich mich auch noch aufgeregt, noch sind wir nicht in der Adventszeit. Da hat das nichts auf den Tischen zu suchen. Wer so ein Brimborium um ein christliches Fest macht, sollte sich auch den Kirchenkalender halten

 

PS Das Rumpsteak lag mir noch die ganze Nacht schwer im Magen

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