Das Märchen von der Abschaffung der Leibeigenschaft

Es war einmal ein Herzog in Nassau, der verbot im Jahre 1808 die Leibeigenschaft. Er war nicht der Erste, der dies verbot, aber auch nicht der letzte Machtinhaber seines Landes, der sie aufhob.
Er wollte seinem Land etwas Gutes tun und die Bauern seines Landes waren nun freie Menschen.

Insgeheim hatte er natürlich gehofft, dass dieser Zustand für immer anhalten würde, er wollte sein Volk befreien und die hohen Steuern waren ja schon Strafe genug.

Aber es hielt nicht an.

Im Lande des Sklaventums, in den USA, wurde 1948 das Unternehmen Manpower gegründet und seine Expansion setzte sich 1956 in Europa fort.
Die Zeitarbeit, die moderne Form der Leibeigenschaft wurde geboren. In Deutschland entstanden 1960 die ersten Zeitarbeitsunternehmen, die sich heute vornehm Arbeitüberlassung nennen, denn das hört sich ja viel besser an
Personalleasing ist auch ein oft angewandetes Wort und kommt der Leibeigenschaft am Nächsten. Menschen werden verliehen.

Waren es 1996 nur 177.935 Zeitarbeiter in Deutschland, so sind es 2015 knapp eine Millionen Menschen gewesen, die in Leibeigenschaft leben.

Faktisch ist es einfach erklärt, ein Unternehmen braucht kurzfristig und befristet Mitarbeiter, um Stosszeiten abzudecken und wendet sich an ein Leiharbeitsunternehmen
Diese senden dann einen kompetenten oder oft auch überqualifizierten Menschen, der bei ihnen unter Vertrag steht, in dieses Unternehmen und hofft, dass dieser Mensch in den nächsten Wochen und Monaten einen guten Job macht, damit man keine weitere großartige Arbeit mehr mit ihm hat.

Danach wird er wieder irgendwohingeschickt, denn übernommen wird man eher selten und im Lebenslauf wird Zeitarbeit immernoch nicht anerkannt. Das man dieselbe Arbeit verrichtet wie ein festangestellter Mitarbeiter, wird gerne übersehen.
In der Gesellschaft wird man auch nicht anerkannt, denn man ist ja ein Leibeigener eines Zeitarbeitsunternehmens.

Um das Märchen der Befreiung seiner Untertanen von der Leibeigenschaft zu untermauern, möchte ich euch mit in das Leben einer Leibeigenen nehmen.

Sie ist eine kluge Frau, hübsch anzusehen, weiß anzupacken und kann sehr gut ohne den Zuschuss männlicher Prinzen, aber auch ohne Obulus des Staates überleben.
Mit beiden Beinen auf dem Boden stehend, geht sie lieber Frohndienste ein, anstatt ihren Herzog um Unterstützung, auch Arbeitslosengeld genannt, zu bitten.

Ihr Studium hat sie mit einem Notendurchschnitt mit 2,2 abgeschlossen, ihr Diplom zeichnet eine 1,8 aus. Aber im Lebenslauf taucht immer wieder das böse Wort Zeitarbeit auf. Da ist es egal, dass man lieber als Empfangskraft arbeitet anstatt zum Amt zu gehen, Zeitarbeit im Lebenswort ist und bleibt ein Karrierefresser. Es frisst alle Chancen bedenkenlos auf und da nutzt es auch nichts, dass man für Ferrari, Walt Disney, Diageo, Linde, Rotkäppchen, Freixenet, Lancaster, Tefal und viele anderen großen Namen im Frohndienst stand.

Die Magd ist gut, kann es praktisch mit jedem Lehensherrn aufnehmen und hat ein umfangreiches Wissen. Sie kennt sich in PR aus, schreibt Contents für ihren Blog, hat zwei Bildbände herausgegeben, sprüht vor Ideen und vor allem ist sie Inhaberin eines Diploms. Trotzdem wird sie nur selten in ihrem Fachbereich eingesetzt und ihre Fähigkeiten werden weit unterschätzt.

Nun fragt sich der geneigte Leser natürlich, warum sie sich in der Leibeigenschaft begeben hat und diese als solche betitelt?

Die Antwort ist einfach, lieber Leibeigenschaft wie Obulus vom Staat zu bekommen. Dies ist jedoch nicht einfach, da sie nicht Herr über sich selbst ist und der Verdienst nur 1/3 von dem, was sie normalerweise verdienen könnte. Ihre Anforderungen im Job sind meist nicht das, was sie will, angefragte Einsätze werden belächelt und Urlaub, ja Urlaub ist ein absolutes Fremdwort. Der Lehensherr erlaubt Urlaub nur dann, wenn man keinen Einsatz als Leibeigene in einem Unternehmen hat, denn dann verdient er ja eh kein Geld mit ihr.

Bei Krankenstand, was leider auch einer Magd passieren kann, kümmert sich der Lehensherr nicht um diese solche und gibt auch Krankmeldungen nicht weiter. Selbst frisch operiert im Krankenhaus liegend muss sich die Magd selbst drum kümmern. Genesungswünsche aber auch Geburtstagsgrüße sind ein Fremdwort. Man existiert für den Lehensherrn nur am Ende des Monats, wenn es um die Ablieferung der Arbeitszeiten gibt und wenn das Gehalt überwiesen wird.

Bei Schwierigkeiten redet der Lehensherr sogar mit seinem Untertan in einem Tonfall, dass man denken könnte, die arme Magd sei gerade erst 18j geworden und keine gestandene Frau mit besserer Ausbildung als der Lehensherr  und seine Schultheiße selbst.

Die Rechte der Magd (und natürlich auch des Knechtes) sind sehr eingeschränkt, man hat zwei Herren zu dienen, und ist auf beiden Seiten nicht anerkannt. Selbst nach 8 Monaten ist man im eingesetzten Unternehmen die Fremde, wenn man von Wir und Uns redet, dann gehört die Magd nicht dazu. Sie ist nur die Magd, die allerdings auch von den Kollegen die höchste Ausbildung hat.

Ihr seht, die Leibeigenschaft existiert noch immer
Schlimmer wie im 18. Jhdt.

Damals war sie offiziell heute wird sie unter dem Deckmantel „Zeitarbeit“ gehüllt

Mit freundlichen Grüßen, die Magd, die seit Juli 2017 durcharbeitet und mit viel Mühe Ende März eine Woche frei bekommen hat, den Resturlaub muss sie mit einem Tag wöchentlich verschleudern, Erholungsurlaub steht einer Magd nicht zu und ist Gesetze werden missachtet

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s