Konmari und die Frage, wie habt ihr denn früher aufgeräumt?

Konmari-Anhänger posten auf Instagram Fotos, wie sie ihren Kleiderschrank aufräumen. Alles ausräumen, aufs Bett legen und dann in 3 Häufchen teilen

Bleibt –  kann weg –  muss ich nochmal überlegen, was damit ist

Diese Bilder haben mich verzweifeln lassen. Ich habe wirklich gedacht, ich bin entweder wirklich uralt oder lebe auf einem anderen Planeten. Wie habt ihr bitte vorher Eure Kleiderschränke sortiert? Oder anders gefragt, habt ihr überhaupt eure Schränke aussortiert? Was hat euch eure Mutter beigebracht ? oder die Omi?

Das alles ärgert mich ja gar nicht, wenn Jemand so aufräumt, aber dieser Hype um eine Ordnungsqueen, die einfach nur so aufräumt, wie man es auf deutschen Hauswirtschaftsschule lernt. wo man lernt, einen Haushalt zu führen und da gehört Ordnung dazu. (paradox, denn keine Frau will Hausfrau genannt werden und folgt nun ihrem Guru, der nichts anderes macht, was eine gute deutsche Hausfrau in den 50 und 60er Jahren schon so gemacht hat)!

Ich war nie auf einer Hauswirtschaftsschule, aber meine Mutter hat mir Ordnung beigebracht. Meine T-Shirts liegen alle ordentlich und farblich sortiert im Schrank, alle gleich gross gefaltet. Genauso meine Pullis und Hoddies. Alles farblich sortiert, alle gleich gefaltet, um Platz zu haben und damit es ordentlich aussieht.

Meine Blusen? Hängen im Schrank. Sortiert nach Farben und dann nochmal nach Langarm, Kurzarm und Ärmellos. Sieht ordentlich aus und ich finde sofort, was ich suche.

Ich muss nicht erwähnen, dass ich sogar meine Socken und meine Unterwäsche so ordne. Aber nicht, weil ich einer Methode aus Japan folge, sondern weil es mir von einer deutschen Mutter beigebracht wurde. Alles hat seinen festen Platz. Gläser stehen bei Gläsern, Tassen bei Tassen.  verschiedene Service sind innerhalb des Service gleich geordnet.

Überflüssiges finden man schon lange nicht mehr bei mir, das flog schon vor Jahren raus. Was ich nicht mehr brauche, wird verkauft oder verschenkt, frei nach dem Motto:

Was man über 1 Jahr nicht genutzt hat, kann weg (alter, ganz ganz alter Hut)

Bei uns war das so: 2 x im Jahr wurde der Kleiderschrank komplett ausgeräumt. Dann musste das Kind alles anziehen, Mutti hat geschaut, ob noch alles passt, was bleibt, was kann weg, was muss eventuell ausgebessert werden. Dann wurde alles ordentlich und übersichtlich sortiert und in den Schrank zurückgelegt bzw gehängt. Mutti hat die T-Shirts und Pullover so exakt gefaltet, dass sie alle Kante auf Kante lagen und natürlich wurde farblich sortiert.

Als Teenie gab es zwar immer Kämpfe, wenn Jahreszeitenwechsel im Schrank gab, aber Mutti war unerbittlich.

Heute, als erwachsene Frau, mach ich das noch genauso. Im Frühjahr und im Herbst wird aussortiert. Jetzt, im Frühjahr, kommen die dicken Klamotten in den zweiten Schrank unterm Dach und ich hole die leichte Kleidung in die Schränke. Natürlich bleiben ein paar Pullis für laue Sommernächte, aber die ganz dicken Jacken, Hosen und vor allem Kleider verschwinden für ein halbes Jahr. Was ich nicht mehr anziehe, kommt direkt weg, alles andere entscheide ich dann beim wieder Auspacken.

Nun hole ich die Frühjahrskleidung aus ihren Winterverstecken. Obwohl frisch gewaschen in den Winterschlaf gelegt, wasche ich nochmal alles und dann wird aufgeräumt. Sämtliche Schränke werden ausgeräumt, sämtliche Schubladen ausgeleert, es wird sortiert. Was behalte ich für diesen Sommer, was passt mir noch, welche Strümpfe /Socken/ Unterwäsche können weggeworfen werden, welche behalten und zu guter Letzt, wird alles ordentlich, farblich sortiert, an seinen festen Platz geräumt. Hemden und Blusen hängen farblich sortiert im Schrank, und danach noch nach Langarm, kurzarm und ärmellos.

Blazer und leichte Jacken hängen zusammen, und in einem zweiten Schrank tummeln sich Jacken, leichte Mäntel und Kleider. Ihr seht, auch hier herrscht Ordnung, ich habe einen Schrank für kurze Hängekleidung (Blusen und Blazer) und einen für lange Hängekleidung (Kleider, Mäntel etc)

T-Shirts sind in der T-Shirt Schublade, Dickere Pullies in der dicken Pulli-Schublade etc Das ist die Ordnung, die ich gelernt habe.

Meine restliche Wohnung und die Schränke dazu räume ich tatsächlich einmal im Jahr, meist zwischen den Jahren, auf. Dann wird auch entschieden, was weg kann und was nicht. In der Küche geschieht das öfter, da ich hier einfach alles täglich im Gebrauch habe.

Aber alles hat seinen festen Platz und so habe ich das gelernt. Das ist alles nichts Neues, wenn man bedenkt, wie alt ich schon bin. Ich kenne es gar nicht anders.

Nun folgt die halbe Welt einer Japanerin, die nach dem 3 Methoden-System aufräumt

Der neueste Hype bzw ganz so neu ist er ja nicht mehr, ist es, seine Wohnung nach der Konmari-Methode aufzuräumen. Diese besteht aus 3 Schritten –

  1. Nach Kategorien ausmisten
  2. Alles in die Hand nehmen und
  3. Alles hat seinen festen Ort.

 

Fangen wir einmal bei 1. an. Nach Kategorieren wird ausgemistet und aufgeräumt. Gemeint ist damit, dass man nicht Raum für Raum aufräumt sondern eben erst alle Bücher, CD, dann die Wäsche, etc.

Mal ganz unter uns, wie räumt man denn sonst auf? Ich selbst habe mehrmals im Leben ausgemistet, meist bei Umzügen und dann habe ich mir alle Bücher zur Brust genommen, alle CD’s, dann alle Klamotten (unterschieden nach Wäsche, Hosen, Hemden etc). Raum für Raum ist wahrscheinlich dasselbe, denn meine Bücher sind im Wohnzimmer, meine Klamotten im Ankleidezimmer etc , na und wenn es unordentlich ist, räumt man erst mal alles aus dem Zimmer, in dem es nichts zu suchen hat, in das Zimmer, in das es gehört. Was glaubt ihr, wie schnell mein Schlafzimmer plötzlich ordentlich ist, wenn dort  alleine die Klamotten rauskommen, die da nicht hingehören :-).

Nun sagt Konmari, dass man alles in die Hand nehmen muss, um sich selbst zu fragen, ob dieses Teil einen noch glücklich macht!

Ich soll ihrer Meinung nach also in der Küche jede Tasse und jedes Glas in die Hand nehmen und mich fragen, ob dieses Teil mich glücklich macht. Nun, dann würde  ich aber ganz schnell ohne Teller und Tassen dastehen, denn nicht jedes Teil löst ein Glücksgefühl aus, aber es sind zweckbedingte Gegenstände, die ich sicherlich nicht wegwerfe, weil sie mich nicht glücklich machen. Das ist Geldverschwendung.

Glücklich macht mich meine alte viel zu große Jogginghose auch nicht, aber wenn ich sie wegwerfe, brauch ich eine neue und die alte Jogginghose ist, zusammen mit dem T-shirt, was ich niemals auf der Strasse anziehen würde und mich wahrscheinlich auch nicht glücklich macht, das perfekte Outfit zum Putzen. Klar, glücklich macht mich das Outfit nicht, aber wer ist beim Putzen schon glücklich und die Klamotten, die mich glücklich machen, möchte ich gar nicht beim Putzen anziehen.

Wer so seine Wohnung ausmistet, hat danach ein großes Problem der Neuanschaffung.

Punkt 3 ihrer Methode ist nun, das alles seinen festen Platz hat. Hier kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Nicht über sie, aber über ihre Anhänger. Natürlich hat alles seinen festen Platz, das nennt man Ordnung. Ob Kleidung, Haushaltswaren oder gar die Autoschlüssel, alles hat seinen Stammplatz, sonst würde man doch nichts wiederfinden. In welchem Chaos hat diese Frau früher gelernt, dass sie das betonen muss?

Für mich ist dieser Hype wirklich unbegreiflich. Nicht wegen ihrer selbstverständlichen Methode, wie gesagt, so räumt man nun einmal auf, brauch ich das oder brauch ich es nicht mehr.

Mehr erschreckt mich der Gedanke, dass viele deutsche vor allem Junge Frauen, anscheinend nie gelernt haben, was Ordnung ist und wie man aufräumt. Auch der Satz, alles hat seinen festen Platz, irritiert mich!

Retter mir daher den Tag, bin ich jetzt echt alt oder habe ich nur einfach Ordnung gelernt und alle anderen versinken im Chaos (wenn ich mir so manches Bild anschaue, denke ich wirklich, OMG, wie lebt ihr?)

 

PS wollt ihr wirklich so steril leben wie es auf den Fotos gezeigt wird? so hätte das meine Ma früher auch gerne im meinem Zimmer gehabt, aber ich lebe ich existiere und bin nicht in einem Sanatorium oder Krankenhaus. Nein, bei mir liegt auch etwas rum und das ist gut so ..  ich atme

 

 

 

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2 Gedanken zu “Konmari und die Frage, wie habt ihr denn früher aufgeräumt?

  1. Das schöne ist, ihre Methode kommt ursprünglich aus der Industrie.😊nennt sich 5S, hatte ich ja mal geschrieben 😂 Och, ich mag den Ansatz und nur weil man mit ihr aufräumt ist man ja nicht automatisch ein Schlampenhaushalt. Und vielleicht haben es nicht mehr alle Generationen gelernt auszumisten? Dann ist das doch eine schöne Anleitung 😉😄😘 ich glaube auch, dass das Thema „Überfluss“ (man hat zuviel Kram) ein neueres Problem ist und daher vielleicht auch ihrr Aktualität. Schöner Text!

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    • Danke schön. Ich kannte ihre Methode nicht und wundere mich eben nur, dass es nichts anderes ist, wie das, was unsere (Groß-)Mütter es uns beigebracht haben. zuviel Kram haben auch nur die, die es sich leisten können. Wobei sie wohl auch den Ansatz hat, vieles wegzuwerfen, was bei uns unter „Erinnerungen“ läuft. Ich kenne das aus Holland, da wird auch nichts unnötiges aufgehoben, weil man gar nicht den Platz dafür hat. Zumal Konsum noch ein zusätzliches Thema ist. Lg Sigrun (es gibt viele Instagramer, die vorher – -nachher Bilder posten und ich sag lieber nicht, wie ich die vorher-bilder empfinde)

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