Woher kommst du?

Während man diese Frage früher mit Stolz beantwortet hat, ist sie heutzutage verpönt.

Wie oft wurde ich im Leben gefragt, woher ich komme, egal, wo ich gewesen bin, es gab immer Menschen, die danach fragten.

Im deutschsprachigen Raum war es meistens:

  • Woher kommst du, dein Akzent ist so lustig ? (das passiert mir aber nur in der Steiermark, weil ich eher den Dialekt von 5 Dörfern weiter spreche )
  • Woher kommst du, bist du Schwedin? (ich hatte so blonde Haare wie Michel aus der Suppenschüssel und ich bin auch genauso blass)
  • Woher kommst du, du sprichst kein Hessisch? (meistens im Berufsleben, da sprach ich hochdeutsch)

und im Ausland sowieso.

Ich kann mich noch erinnern, als ich bei meinem ersten Augenarztbesuch gefragt wurde,  welche Staatsangehörigkeit ich habe. Er schaute mich an, sagte „deutsch“ und antwortete trotzig „Österreicherin“. Ja damals durfte Kinder alleine zum Arzt gehen .. da hat Mutti nicht immer am Rockzipfel gehangen und hat aufgepasst, dass das Kind nicht entführt wurde.

Fragt man heute Jemanden, woher er kommt, und man dies Aufgrund seiner Hautfarbe, seines Akzentes oder seiner Haarfarbe fragt, dann wird man böse angeschaut.

Auf instagram beschweren sich (Enkel)-Kinder von Gastarbeitern, dass man Ihnen diese Frage stellt und wie rassistisch es sei, wenn sie aufgrund ihrer , z.B. schwarzen krausen Haaren fragt, woher sie kommen und man mit dem Geburtsort „XZ“ in Deutschland nicht zufrieden gibt.

Es sei unverschämt und eine Frechheit, es würde nerven, so etwas gefragt zu werden, immerhin wären sie in Deutschland geboren.

Ich habe gestern auch gefragt, woher kommst du, du hast so einen schönen Akzent ? aus Stuttgart war die Antwort, aber das wollte ich nicht wissen , denn die Dame schwäbelte nicht und widerwillig sagte sie dann, dass sie aus Slowenien sei. Ha, dachte ich mir, daher der leichte Akzent, der dem meiner steirischen Familie ähnelte. Gut, im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass sie sowieso eine unmögliche Person war, aber was die meisten Menschen heute nicht verstehen, ist, dass

die Frage nach der Herkunft Interesse an der Person zeigt.

Es zeigt, dass man neugierig ist, sich interessiert und vielleicht auch mehr über Person und sein Herkunftsland wissen möchte. Dazulernen möchte.

Als ich Mitte 30 war, traf ich auf einen jungen Mann, dessen Eltern aus Ghana stammten.   Damals war es selbstverständlich, dass man fragte, woher stammst du und dann hat derjenige erzählt. „Ich bin zwar in Wiesbaden geboren, aber meine Eltern stammen aus Ghana“ und wenn man sich sympathisch fand, hat man sich die Familiengeschichte erzählen lassen, warum die Eltern in Wiesbaden gelandet sind, wie es in Ghana ist, man fragte nach den Großeltern, aber auch nach der Familie in Ghana (und Wiesbaden) und tauschte sich aus.

Ich für mich lerne bei solchen Unterhaltungen viel über andere Länder und Kulturen und wenn jemand in der dritten Generation hier ist, so hat er meist immer noch einen Bezug zum Herkunftsland seiner Großeltern.

Warum ist es also falsch, sich für andere Menschen zu interessieren ? Ich frag ja auch meinen nicht Wiesbadener Kollegen, woher sie komme, seit wann sie im Rhein-Main-Gebiet ist und wie oft sie noch nach Hause fahren. Die Frage „hast du noch Familie in XYZ“ ist doch schön, aber nein, heute regen sich Menschen darüber auf.

Ich habe noch Familie in Österreich, die ich leider viel zu selten sehe, aber wenn mich jemand fragt, woher ich komme, sag ich immer und das, obwohl ich typisch deutsch bin, mit stolz, dass ich halbe Österreicherin bin.

Ich frage auch den alten Mann von 80J nach seiner Herkunft, wenn er aus Sudetendeutschland ist und frage ih n nach seiner Geschichte – niemand fühlt sich angegriffen und jeder freut sich darüber, wenn man sich für ihn und seinen Lebensgeschichte interessiert.

Liebe Mitmenschen da draussen:

 

Woher kommst du ist eine schöne Frage, denn man möchte mehr über den Menschen, seiner Herkunft, seiner Kultur und seinem Leben wissen. Der Vater einer Freundin ist aus der Karibik und sicherlich werden ihre Kinder auch gefragt, woher sie kommen und sie werden hoffentlich einmal stolz antworten, wir sind echte Breckenheimer, aber unser Opa kommt aus der Karibik und wir schon ganz oft dort und haben unsere Familie besucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Woher kommst du?

  1. diese Empfindlichkeit und Befremdlichkeit bei solchen Fragen ist mir auch schon aufgefallen. Ich finde es auch immer interessant, die Geschichten hinter anderen Namen, Akzenten oder Aussehen zu erfahren. Das finde ich megaspannend, weil ich eben weltoffen bin und gerne dazulerne. Diese neue Empfindlichkeit finde ich einfach nur furchtbar.

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