Gedanken zu meinem Au Pair Jahr 1990

Eigentlich sollte diese Jahr ein besonderes Jahr werden.

Ich hatte so viele Träume die ich verwirklichen wollte, ich wollte Menschen kennenlernen, denen ich vertrauen konnte, ich wollte reisen und in die Schule gehen und vieles Mehr!

Leider wurde daraus nichts das, wie ich es gerne gehabt hätte.

Meine erste Gastfamilie warf mich raus, genau an dem Tag, als die drei Katzen und der erste der beiden Hunde gehen mussten. Die offizielle Begründung war einfach. Ich könnte nicht mit Säuglingen umgehen. Meine Gastmutter war schwanger und hatte Angst um ihr ungeborenes Kind. So ein Quatsch!! Kurz bevor ich Deutschland verließ, kam mein zweiter Neffe Niklas auf die Welt, dessen Patentante ich bin. Während dieser Schwangerschaft musste ich oft auf meinen großen Neffen aufpassen (ca 1 Jahr) und mein kleiner Niklas wurde bis zu meiner Abreise nach Boxford MA sowieso verwöhnt.

Ich war nun aber trotzdem in Jeannes Augen Säuglingsunfähig.

Die Wahrheit jedoch war, dass sie eifersüchtig war. Auf alles und jeden.

Ich verstand mich mit ihrer Schwester, war beliebt bei Freunden und Nichten und sah die ersten Schritte ihres Sohnes. Mir wurde vorgehalten, dass meine Augen glänzten, wenn ich von meinen Neffen und Pflegeschwestern zu Hause erzählen würde, mehr glänzten, wie wenn ich von ihrem Sohn sprach, den ich bis dahin nur wenige Wochen kannte. Ich war frech genug, bei Familienfeiern mit ihren Nichten zu spielen und nicht mit ihrem Sohn, mit dem ich dann schon meist ein paar Stunden zu Hause gespielt hatte.

Ich sah ihren Mann öfter als sie, was ja nicht mein Verschulden war und außerdem war ich nicht dankbar genug, dass ich überhaupt zu Familienfeiern mitgenommen wurde. Und das waren nur wenige Dinge, die sie mir vorgehalten wurden.

Ich musste fort

Weg von Salem State College, wo ich geraden anfing, mich wohlzufühlen, weg von der Masconomet High, wo ich als Volunteer Assistant die Chance hatte, ein High-School-Jahr mitzubekommen.

Weg von der Gegend, die ich aufgrund ihrer Gegend und Dörflichkeit liebte.

Nach Salem, New Hamsphire.

Hier konnte ich nun warten, dass neue Kurse im College anfingen und das wäre im August gewesen und wir hatten gerade mal Februar.

Ich wollte Journalismus belegen, aber auch daraus wurde nichts.

Meine neue Gastmutter hatte während der Schwangerschaft eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung bekommen und war in ihrem Endstadium der Rehabilitation.

Manchmal sprach sie tagelang kein Wort mit mir und schaute mich nicht an. Sie kam hin und wieder aus ihrem Schlafzimmer, um zu meckern, oder um, ohne Ein Wort hu sagen, das Baby anzuziehen um mit ihm spazieren zu gehen

Hin und Wieder war sie auch ganz freundlich und unterhaltsam, aber sie ließ mich immer spüren, das ich nur ein Eindringling in ihrem Haus und Leben war.

Von den Nachbarn erfuhr ich dann, dass ich nicht mehr gebraucht wurde und ich mir mal wieder etwas Neues suchen konnte. ich war sehr enttäuscht.

Enttäuscht von der organisation, die sich nicht genügend um meine neue Stelle kümmerte und die es zuließ, das junge Frauen in Familien kamen, die eine Krankenschwester und kein Kindermädchen brauchten. Immerhin hatte meine Vorgängerin diese Familie wegen Depressionen und Heimweh verlassen und war frühzeitig nach Hause, nach Österreich zurückgekehrt

Es war erst Halbzeit und der Frust schien kein Ende zu nehmen

Ich bat meine Betreuerin, mir eine Familie weit weg von Boston zu suchen, aber sie bat mir nur eine Stelle in New York an, die deutsch sprach. Ich war jedoch in Amerika, um mein Englisch aufzubessern und nicht mein Deutsch und nahm folglich das Angebot nicht an

Ich landete kaum 1o Meilen von meiner letzten Familie entfernt und das auch nur für 5 Tage, da sich herausstellte, dass ich 65h/Woche arbeiten sollte, zwar für mehr Geld, aber auch ohne eigenes Auto.

In dieser Gegend war ich jedoch ohne Auto hoffnungslos verloren und so hätte ich mir jeden freundschaftlichen Kontakt wie auch das College abschminken können. Letzteres stand mir vertraglich sogar zu. Außerdem äußerte ich den Verdacht, dass der Vater die Familie schlug und da wollte ich ganz sicher nicht leben

Folglich packte ich wieder meine Koffer und zog erst einmal zu meiner Freundin irmi, deren Familie sich dazu bereit erklärte hatte, mich für ein paar Tage aufzunehmen.

Ich war frustriert. Aus der Traum meines Jahres in Amerika. ich fand zwar eine neue Familie, bei der ich auch 6 Monate blieb, aber für mich war jegliches Vertrauen an die Menschheit verloren und neue Freund fand ich auch nicht mehr. Da waren noch ein paar Mädels, denen ich vertraute aber die entweder verließen sie Amerika im Sommer oder sie wohnten zu weit entfernt und ich besaß kein Auto, da ich mitten in Cambridge wohnte und meine Familie sagte, daß ich ja mit der „T“ fahren könnte

Das hieß, mit 21 Jahren keine Nightlife, da die letzte „T“ um 1:ooh fuhr

Im Dezember ‚9o flog ich dann wieder nach Deutschland zurück.

Zwar wollte ich in Amerika bleien, ich hätte sehr gerne dort studiert, aber dafür hatte ich kein Geld gehabt. So sehr ich auch die Zeit in Cambridge liebte, so sehr hasste ich lange Zeit jegliche Erinnerung an mein Au Pair Jahr daran.

Anstatt neue Freunde zu finden, war ich die meiste Zeit alleine.

Es gab natürlich auch schöne Dinge und ich habe viel erlebt. Natürlich habe ich auch Freunde gefunden, aber den Menschen, auf die ich angewiesen war, bei denen ich lebte und vertrauen sollte, haben mich zutiefst verletzt.

Aufgrund der vielen Umzüge hatte ich den Anspruch auf mein Schulgeld verloren und einige Wochen bekam ich auch kein Taschengeld, und mein Urlaubsanspruch hatte ich auch keinen mehr ! Denn obwohl ich nie Urlaub hatte, so hatte ja das Au pair vor mir ihren in Anspruch genommen und daher war das für diese Familie erledigt.

Im Endeffekt hatte ich viel Geld draufgezahlt