Eintagsheld 2015 – Ausflug mit der Blindenmission

Mein ausgesuchtes Projekt war, einen Tag mit älteren Menschen in der Fasanerie (einem Tierpark)  zu verbringen.

Voller Engagement bin ich aus logistischen Gründen mit dem Bus zur Blindenmission gefahren. ich hatte so viele Fragen an die Menschen, die ohne Augenlicht auskommen müssen und war gespannt, wie man als blinder Mensch die Fasanerie erlebt, wie man die Tiere riecht und die Bäume hört. Leider war kein einziger nlinder Mensch dabei, was ich schon sehr enttäuschend empfand, denn das war ja der Grund, warum ich mich hier und nicht bei einem anderen Seniorenprojekt angemeldet hatte. Senioren hab ich genug im Haus und treffe auch genug in meinem Alltagsleben, aber ich wollte ja neue Erfahrungen sammeln. Aber nicht nur ich war enttäuscht, sondern auch ein junger Mann, der aus denselben Beweggründen sich hier und nicht bei einem anderen Projekt angemeldet hatten.

Unsere Senioren freuten sich genauso auf den Tag. Es hiess, dass wir von 10-16h im Projekt seien. Punkt 10h war ich da. aufgrund der Busse musste ich mich abhetzen um dann zu erfahren, dass wir erst um 10:45h losfahren würden. wow, 45min, später und dann ging der Ausflug auch nur bis 13:30H. Um 14h kam der Oberbürgermeister in die Mission, um mit uns 1h Kaffee zu trinken. ab 14h saßen wir nur nach rum und unterhielten uns nett.

In der Fasanerie selbst war es jedoch wirklich schön. Unsere Senioren waren alle sehr nett, wir hatten 5 Damen mit von der Partie, 4 im Rollstuhl, eine mit Rollator. Außer der Missionsmannschaft waren 4 Freiwillige vor ort und der Sohn einer der Damen, da diese spontan unbedingt dabei sein wollte.

Eine Dame war geistig fit, sie hat sich sofort den charmanten und einzigen Mann geschnappt und hat sich durch den ganzen Park, der am Waldrand Wiesbaden ist, schieben lassen. Waldrand bedeutet aber, dass es sehr uneben ist und weil wir ja im Taunus leben, teilweise auch noch ziemlich steil bergauf geht. Mit dabei waren ebenfalls eine alte Rumänin, die schwer dement war, und sich einfach nur freute, dass  sie einen wunderschönen Tag erlebte, hier war eine junge Frau für sie zuständig, die beiden hatten sich gesucht und gefunden, die alte Dame versprühte aber auch soviel Charme,man musste sie einfach gern haben. Unsere dritte Dame war eine ehemalige Wiesbadener Geschäftsfrau, die seit einigen Jahren im Heim ist, da sie geistig nicht mehr auf der Höhe ist. eigentlich war das einzige, was sie interessierte, etwas zu essen zu bekommen, alle 20 min  sagte sie, dass sie Hunger habe und kaum hatte sie gegessen, hatte sie schon Kaffeedurst.

Meine Dame hatte eine Gehirnoperation und bei jedem Huppel schrie sie, sie kann es nicht leiden, wenn ihr Rollstuhl wackelt, auf dem Waldboden ganz ganz schwer, nicht zu wackeln. Sie schrie folglich sehr oft, davon abgesehen, war es nicht einfach, sie aufgrund des Gewichtes den Hang hochzuschieben. Es ist schon eine grosse Verantwortung, einen Menschen zu betreuen, der geistig nicht mehr ganz auf der Höhe ist und ich geb zu, den Tag hatte ich mir komplett anders vorgestellt  und war körperlich wie auch mental ein grosser Kraftakt. Aber als se sagte, dass se sch freuen würde, dass gerade ich sie an diesem Tag betreuen würde, war all die Kraft, der Muskelkater und die Angst, etwas Falsch zu machen, vergessen

ich habe mich für die Heimbewohner sehr gefreut, dass sie ein paar wenige, schöne Stunden hatten, es kommt nur selten vor, dass sie aus dem Heim rauskommen, insofern habe ich auch nichts gesagt, aber die Veranwortung war uns Freiwilligenhelfern gegenüber schon sehr gross, gerade, wenn Menschen dement sind oder geistig nicht mehr ganz da sind, hat man mehr Verantwortung wie wenn man „nur“ einen alten Menschen betreut. Wir sind ja alle nicht für diese Art der Betreuung geschult. ich bin ehrlich, ich war froh, dass ich die Verantwortung abgeben konnte.

Am Abend gab es dann noch eine nette Abendveranstaltung, organisiert von der Hochschule Rhein-Main. Diese hab ich jedoch früher verlassen, da ich nach etwas anderes vor hatte.  Allerdings hab ich das gute afrikanische Essen probiert, das konnte ich mir nicht entgehen lassen, vor allem das Couscous war zum Reinknien.

FAZiT

Seid einfach nur dankbar, wenn Eure Eltern /Großeltern, geistig fit sind –  auch wenn sie sicherlich öfter mal nerven, was ich da am Samstag unfreiwillig miterleben musste, ist sicherlich einfach zu verkraften, wenn es nicht ein Angehöriger ist, aber als Enkeltochter einer Dementen, bereits verstorbenen Oma weiss ich aus Erfahrung, dass man viel Humor haben muss, wenn eine Oma nicht mehr das ist, was sie mal war und die Enkeltochter nicht mehr erkennt.

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