Aus dem Leben eines Komparsen

Ich arbeite hin und wieder als Komparse, meist für eine ZDF-Serie, aber machmal auch für Kinofilme oder Werbespots.
Hört sich für viele spannend an, ist es aber nicht. Meist ist es langatmig und auch anstrengend.
Letztes Jahr zum Beispiel musste ich 10h lang vor einem Schaufenster hin und her laufen und dann kurz über den Bahnsteig laufen. Es war kalt, es nieselte in bisschen und es gab weder Sitzplätze noch eine Toilette in der Nähe.


Was macht man als Komparse 

1.) Laufen ist sowieso die Hauptaufgabe des Komparsen, manchmal darf man auch sitzen. Aber die meiste Zeit habe ich einen Passanten gespielt, d.h. es kann auch vorkommen, dass man viele Stunden lang im kleinen Schwarzen in Highheels über Kopfsteinpflaster laufen muss.


2.) Warten gehört auch dazu. Man wartet, dass man endlich dran kommt, denn jede Szene wird mehrmals gedreht, von verschiedenen Standpunkten und oft sitzt man stundenlang rum und hofft, endlich etwas tun zu dürfen


3.) Sich in Geduld üben aber nicht nur, weil man warten muss oder ganz geduldig die gleiche Szene zum wiederholten Male spielen darf (und dann ist sie doch nicht zu sehen), sondern auch, weil man manchmal das Gefühl hat, dem ein oder anderen Crew-Mitglied an die Gurgel gehen zu müssen.


Meine beiden besonderen „Freunde“ sind zum Einen die Regieassistenz eines ARD-Krimis, die mich in besonders heftig anzickte, da ich in den Drehpausen immer an meinem Smartphone spielen würde (was sie mal gar nichts angeht) und ich kurz davor war, den Job zu schmeissen und dann die nette Dame vom Kostüm, die mir den Reissverschluss meiner Daunenweste auf- und mir den Schal vom Hals riss. Bei Letzterem war ich so baff, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich sagen sollte, denn an meinem Körper hat sie nix zu suchen

Kostümbildner sind eh sehr fragliche Personen, es gibt wirklich ganz Tolle, aber wie man mir vorschreiben kann, auf eine grüne Daunenweste ein türkisfarbenes Hoodie zu ziehen, lässt geschmacklich doch sehr viel übrig.

Einmal spiele ich Polizeibeamtin. Ich war die Fälschung, neben mir ein echter Polizeikommissar, an welchem die Kostümbildnerin erst einmal Minutenlang rummachte, bis er endlich, 20Jahre nach seiner Vereidigung, seine Uniform richtig angezogen hatte. Aber es gibt auch ganz tolle Kostüm- und Maskenbildner, das Team von „Staatsanwalt“ gehört für mich zu einem der Besten, immer nett, immer freundlich, man wird niemals als Mensch zweiter Klasse behandelt, sondern bekommt auch mal den Schirm gehalten, damit die Haare nicht nass werden.


Aber da sind wir an einem weiteren Punkt.

Der Komparse an sich wird oft wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt.


Gegessen wird getrennt. Während die Crew von Porzellantellern und Besteck essen dürfen, gibts für die Komparsen oft nur Plastikteller (je nach Produktion gibts für alle Plastikteller). Die Crew bekommt oft ein leckeres Menü, die Komparsen meist schnelle Nudelgerichte, die meine kleine Nichte von 8j besser hinkriegen würde. Zwar zahlt die Crew für ihr Essen, aber dann doch lieber nichts hinstellen als Papp-Nudeln zu servieren.


Meine bisher schlimmsten Drehs hatten keine Sitzplätze, keinen Aufwärm-raum und keine Toiletten in der Nähe. 


Bei einem Dreh sassen wir unter einem Zelt, Komparse und Team getrennt, allerdings war es Herbst, 18h und die Komparsen hatten weder Licht noch genügend Sitzplätze, man musste also warten, bis der erste Teil fertig war .. andere Sitzplätze gabs aber am ganzen Set nicht, daher konnte man von 12h mittags – Mitternacht sich weder irgendwo aufwärmen, noch sich einmal hinsetzen.


Bei einem anderen Dreh standen wir schlichtweg im Regen. Die Crew hatte ein Zelt und war überdacht, wir mussten sehen, wie wir trocken bleiben.


Toiletten gab es bei beiden Drehs nicht. Diese beiden Drehs waren schon sehr menschenunwürdig, Komparsen sind oft nur Menschen Dritter Klasse und werden auch so behandelt. Teilweise herrscht ein Tonfall, den sich selbst der schlimmste Vorgesetzte niemals einfallen lassen würde.


Die meisten Komparsenkollegen sind wirklich sehr nett, wir sitzen alle in einem Boot und das verbindet Menschen, die man im normalen Alltagsleben nicht treffen würde. Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Manche Komparsen sind zwar sehr fragwürdig oder hoffen auf die grosse Karriere aber die meisten sind wirklich sehr sympathische und oft lustige Kollegen.


Der ein oder andere Schauspieler bedankt sich nach einem erfolgreichen Dreh bei uns, da er die Arbeit zu schätzen weiß, ohne Komparse kann kaum ein Film gedreht werden. Es gibt aber auch welche, die keinen Respekt vor diesen Menschen haben, die für wenig Geld einen Film bereichern und ein bekannter deutscher Schauspieler, der momentan sehr beliebt ist, soll sogar gesagt haben, dass ein Komparse nicht den Dreck unter seinen Fingernägeln wert sei


Diese Menschen vergessen dann oft, dass sich hinter dem ein oder anderen Komparse jemand versteckt, der vielleicht mehr verdient wie er, weil er diesen job nur aus Spass macht, gar als bezahltes Hobby ansieht und ansonsten ein sicheres, geregeltes Leben führt.


Am Wichtigsten ist, dass ein Komparse auch zeitgleich ein Zuschauer ist, der die Quote steigen lässt und man aufpassen sollte, wie man mit seinen Kollegen umgeht, denn für mich gibt es bereits mehrere Filme, die ich mir nicht mehr anschauen werde, solange bestimmte Darsteller mitspielen. 


In meiner Lieblingsproduktion hatte ich übrigens eine Sprechrolle und das komplette Team hat sich rührend um mich gekümmert, das es meine erste Sprechrolle gewesen ist. Aber wie gesagt, in diesem Team sind wirklich alle sehr nett, man merkt, dass sie seit Jahren zusammenarbeiten und gerne miteinander arbeiten.

Hochprofessionell Jedem gegenüber…